Griesalp: Endstation der steilsten Postautostrecke Europas im hinteren Kiental
Die Griesalp im hinteren Kiental ist Endstation des steilsten Postautos Europas. Was Sie über den letzten Bus, fehlenden Empfang und den Aufstieg wissen müssen.
Griesalp: Endstation Der Steilsten Postautostrecke Europas Im Hinteren Kiental
Die meisten Reisenden stellen sich eine Fahrt mit dem Postauto in den Alpen als gemütliche Rundfahrt vor, Fenster auf, Ausblick geniessen, irgendwo eine Haltestelle für ein Foto. Die Linie 220 zur Griesalp ist das Gegenteil davon. Sie ist eine technische Grenzerfahrung auf einer der schmalsten Strassen der Schweiz, gespickt mit 28 Prozent Steigung, Haarnadelkurven ohne Leitplanke und einem Fahrzeug, das speziell für diese Strecke gebaut wurde. Und sie endet an einem Ort, der nicht zum Verweilen für Tagesgäste gedacht ist, sondern als Startpunkt für anspruchsvolle Hochtouren dient. Wer hierherkommt, muss wissen, worauf er sich einlässt.
Die Strecke ist von Mai bis Oktober geöffnet. In der Übergangszeit zwischen Mitte Mai und Mitte Juni sowie im November ist sie entweder wegen Schneerests oder Revision geschlossen. Das ist keine Randnotiz; das ist der entscheidende Faktor für Ihre Planung. Prüfen Sie vor der Buchung die aktuellen Betriebsdaten auf der Webseite des Postautos. Die Saison ist kurz, die Fenster sind eng.
Das Postauto ab Kiental fährt etwa 25 Minuten. Klingt kurz. In dieser Zeit überwindet es jedoch mehrere hundert Höhenmeter auf einer Strecke, die so eng ist, dass Ausweichstellen selten und das eigene Auto nicht empfohlen sind. Die Parkplätze oben sind begrenzt, gebührenpflichtig und ohne Platzgarantie. Lassen Sie das Auto unten in Kiental oder besser in Kandersteg am Bahnhof. Sie sparen sich den Stress und die Kehren, die selbst geübte Fahrer ins Schwitzen bringen.
- Höhe Griesalp: 1'408 m ü. M.
- Postautolinie: 220 (Kiental, Griesalp)
- Maximale Steigung: 28 %
- Fahrzeugtyp: Spezialfahrzeuge mit reduzierter Übersetzung und verstärkter Bremse
- Reservationspflicht: Ja, von Mai bis Oktober für alle Fahrten ab Kiental und Griesalp
- Reservationsfrist: Bis 1 Stunde vor Abfahrt; die genauen Daten für die laufende Saison veröffentlicht das PostAuto auf seiner Webseite
- Reservationskanal: PostAuto-App, PostAuto-Webshop oder PostAuto-Kontaktcenter
- Letzte Bergfahrt ab Kiental: 17:25 (saisonal, bitte den aktuellen Fahrplan prüfen)
- Letzte Talfahrt ab Griesalp: 18:00 (saisonal, bitte den aktuellen Fahrplan prüfen)
- Fahrzeit: Ca. 25 Minuten
- Öffnungsmonate Postautostrecke: Mai bis Oktober
- Öffnungsmonate Berggasthäuser: Mai bis Oktober; die genauen Eröffnungsdaten erfragen Sie bei den Häusern direkt
- Nächster Bahnhof: Kandersteg (Lötschberglinie BLS)
- Anreise ab Bern: Bern, Spiez, Kandersteg (BLS), dann Postauto ab Kandersteg nach Kiental, Umstieg auf Linie 220
- Anreise ab Spiez: Spiez, Kandersteg (BLS), dann Postauto ab Kandersteg nach Kiental, Umstieg auf Linie 220
Der Letzte Bus Und Was Passiert, Wenn Sie Ihn Verpassen
Der letzte Bus von der Griesalp talwärts fährt um 18:00 Uhr. Das ist nicht spät. Das ist früh. Und wer ihn verpasst, steht vor einer Realität, die kein Taxi und kein Notruf lösen kann: 1'200 Höhenmeter Abstieg zu Fuss durch das Kiental. Nicht auf einem breiten Wanderweg, sondern auf der schmalen Strasse oder über steile Bergpfade. Der Mobilfunkempfang auf der Griesalp und im ganzen hinteren Kiental ist flächendeckend nicht vorhanden. Sie können niemanden anrufen. Sie können kein Uber bestellen. Sie haben nur das, was Sie im Rucksack haben.
Planen Sie deshalb jede Minute Ihrer Rückfahrt mit Puffer. Reservieren Sie Ihr Postauto online bis eine Stunde vor Abfahrt, in der Hochsaison sind die Plätze knapp, und die Reservationspflicht gilt von Mai bis Oktober für alle Fahrten. Stehen Sie um 17:00 an der Haltestelle, nicht um 17:50. Nehmen Sie eine Taschenlampe mit, auch wenn Sie den Bus um 18:00 erwischen. Nehmen Sie Bargeld mit, weil die Alpwirtschaften oben keine Karten akzeptieren und der nächste Bankomat in Kandersteg oder Frutigen ist. Und laden Sie vor der Abfahrt am Bahnhof eine Offline-Karte auf Ihr Telefon. Die SwissPass-App funktioniert offline für Fahrplandaten, aber nicht für Ticketkäufe. Sie brauchen also entweder ein vorab gekauftes Ticket oder Bargeld für den Automaten in Kiental.
Für wen die Griesalp richtig ist
Die Griesalp ist ein Etappenort der Via Alpina. Etappe 12 führt von hier zur Sefinenfurgge und weiter nach Mürren, eine alpine Bergwanderung mit weiss-rot-weisser Markierung, ausgesetzten Passagen, Seilversicherungen und einem Aufstieg von 1'200 Höhenmetern in etwa 3,5 Stunden. Wer diese Route geht, braucht alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wer die Griesalp als Tagesausflug betrachtet, wird enttäuscht. Es gibt keine leichten Spazierwege. Es gibt keine Aussichtsplattform mit Panoramarestaurant. Es gibt einen Startpunkt für Hochtouren, ein paar Berggasthäuser und Stille.
Die andere grosse Route ist der Aufstieg zum Hohtürli auf 2'778 Meter und weiter zur Blüemlisalphütte des SAC. Der Aufstieg dauert etwa 4,5 Stunden, mit 1'370 Höhenmetern. Gletscherkontakt ist möglich, Steinschlaggefahr besteht, und die Etappe bis zum Oeschinensee dauert weitere 3,5 Stunden. Das ist kein Sonntagsspaziergang. Das ist eine lange, ernsthafte Alpinunternehmung. Wer das nicht sucht, sollte die Griesalp meiden.
Anreise Und Logistik: Von Bern Oder Spiez Zur Griesalp
Sie kommen entweder vom Flughafen Zürich (2 Stunden 20 Minuten, etwa CHF 80) oder von Basel (2 Stunden 10 Minuten, etwa CHF 70) oder von Genf (3 Stunden, etwa CHF 90) nach Spiez. Spiez ist der Umsteigebahnhof für das Kandertal. Von dort fährt stündlich die BLS-Regionalbahn in 25 Minuten nach Kandersteg. Am dortigen Bahnhof steigen Sie in das Postauto Richtung Kiental. In Kiental selbst müssen Sie umsteigen in die Linie 220 zur Griesalp. Planen Sie für den gesamten Transfer ab Spiez etwa eine Stunde ein, plus Puffer.
Bezahlen Sie mit der SwissPass-Karte oder dem Halbtax-Abo. Einzelfahrscheine kaufen Sie am Automaten. Bargeld ist trotzdem Pflicht für die Alpwirtschaften oben. Die wenigsten akzeptieren Karten. Planen Sie Ihren Einkauf vor der Abfahrt im Tal, wo es eine Bäckerei und einen Volg gibt, aber nur von Montag bis Samstag. Sonntags haben beide geschlossen. Dann bleibt nur der Bahnhofkiosk.
Die grösste Fehleinschätzung von Tagesgästen
Viele Reisende glauben, sie könnten an einem einzigen Tag den Oeschinensee, den Blausee und die Griesalp besuchen. Die Kilometer sind kurz. Die Höhenmeter und die Wartezeiten an den Seilbahnen sind es nicht. Oeschinensee-Gondel hat an Schönwettertagen Wartezeiten von 45 bis 90 Minuten ab 10 Uhr. Keine Online-Reservation für Einzelfahrten. Das Gasterntal-Postauto ist ein Kleinbus mit maximal 15 Plätzen, ohne Reservation fährt er nicht, wenn er voll ist. Am Oeschinensee-Parkplatz stehen täglich Dutzende frustrierte Wanderer, die nicht ins Gasterntal kommen. Wer alles an einem Tag will, scheitert fast immer. Nehmen Sie sich drei Nächte: einen Tag für den Oeschinensee, einen fürs Gasterntal oder die Gemmi, einen fürs Kiental und die Griesalp. Alles darunter wird zur reinen Durchfahrt.
Hochsaison, Nebensaison Und Was Sie Vermeiden Sollten
Die beste Zeit für die Griesalp ist Juli und August. Stabiles Bergwetter, alle Pässe und Seilbahnen offen, Blumenwiesen in Vollblüte. Der zweite Peak sind die ersten beiden Oktoberwochen wegen der Lärchenfärbung. Dann ist die Strecke noch offen, die Farben sind spektakulär, und die Temperaturen sind angenehm für den Aufstieg. Meiden Sie Mitte Mai bis Mitte Juni. Dann sind der Oeschinensee-Wanderweg und viele Höhenwege wegen Schnee und Nässe gesperrt, Seilbahnen in Revision. November ist tot: fast alle Bahnen geschlossen, nichts blüht, kein Schnee, Restaurants dicht.
Die Griesalp ist nicht für Familien mit Kleinkindern geeignet. Die leichten Themenwege und Spielplätze liegen im Talboden von Kandersteg, nicht oben. Für Ruhesuchende abseits des Jungfrau-Trubels ist sie ein Traum, aber nur unter der Bedingung, dass Sie die Logistik beherrschen und die Einsamkeit wirklich suchen. Shopping-Touristen und Après-Ski-Fans haben hier nichts verloren. Es gibt keine Szene, kaum Läden, und die nächste Bar mit Musik ist eine Stunde entfernt. Auch Instagram-Selfie-Jäger, die den Hotspot in 20 Minuten abhaken wollen, werden enttäuscht. Die Griesalp schenkt sich nicht her. Sie verlangt, dass Sie sich Zeit nehmen, dass Sie vorbereitet sind und dass Sie den Respekt für die alpine Umgebung mitbringen.
Common Questions
Muss ich das Postauto zur Griesalp reservieren?
Ja. Von Mai bis Oktober ist die Reservationspflicht für alle Fahrten auf der Linie 220. Reservieren Sie bis eine Stunde vor Abfahrt über die PostAuto-App, den Webshop oder das Kontaktcenter. Ohne Reservierung riskieren Sie, nicht mitfahren zu können.
Kann ich mit dem eigenen Auto zur Griesalp fahren?
Nicht empfohlen. Die Strasse ist sehr schmal, Ausweichstellen sind knapp, und die Parkplätze oben sind stark limitiert und gebührenpflichtig ohne Platzgarantie. Lassen Sie das Auto in Kandersteg oder Kiental.
Was mache ich, wenn ich den letzten Bus um 18:00 Uhr verpasse?
Sie müssen 1'200 Höhenmeter zu Fuss absteigen. Es gibt keinen Taxi-Service, keinen Mobilfunkempfang und keine Alternative. Planen Sie Ihre Rückfahrt mit grossem Puffer und stehen Sie mindestens 20 Minuten vor Abfahrt an der Haltestelle.
Gibt es Mobilfunkempfang auf der Griesalp?
Nein. Im gesamten hinteren Kiental und auf der Griesalp gibt es flächendeckend keinen Empfang. Laden Sie vor der Abfahrt in Kandersteg Offline-Karten auf Ihr Telefon. Die SwissPass-App funktioniert offline für Fahrplandaten, aber nicht für Ticketkäufe.
Kann ich auf der Griesalp mit Karte bezahlen?
Nein. Die Alpwirtschaften und die kleinen Berggasthäuser akzeptieren keine Karten. Nehmen Sie ausreichend Bargeld mit. Der nächste Bankomat ist in Kandersteg oder Frutigen.
Weiterlesen
-
Hotels im Kandertal: vom Berghotel bis zur Alpwirtschaft From the timber rooms of the Waldhaus in the Gasterntal to a dormitory bed at the Oeschinensee mountain hut, here are the Kandertal's real hotel options.
-
Where to Stay in the Kandertal Valley for Hiking and Quiet Compare the three places to sleep in the Kandertal—Kandersteg village, the Kiental farms, and the high hamlet of Griesalp—and find the right base for your hiking trip.
-
Things to Do in the Kandertal Summer Hiking and Winter Ski Touring What there is to do in the Kandertal, split between summer hiking and winter ski touring, with the dead shoulder seasons clearly marked so you do not arrive to closed lifts.
-
Best Time to Visit the Kandertal and When to Stay Away The Kandertal has two real seasons—high summer hiking and late-winter ski touring—and two long shoulder closures when the cable cars and huts simply shut.
-
Getting Around the Kandertal Without a Car The Kandertal runs on PostBuses with early last departures and no taxi backup. Learn the Gasterntal road rules, the SBB app, and why offline maps matter.
-
Kandertal Itineraries for Two Days Four Days or a Week Plan your Kandertal days around the reality that each side valley takes a full day and you cannot shortcut between them—here are itineraries for two, four and seven days.
-
Schweiz fürs Kandertal: Was im Berner Oberland anders läuft Switzerland works differently from what many first-time visitors expect. Here are the transport, trail and accommodation basics you will need for the Bernese Oberland.